Unplugged Wedding: Eure Hochzeit als handyfreie Zone

von Astrid
Astrids Kolumnen
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Ständig erreichbar, ständig online. Im Job, privat, bei Insta, Facebook, Twitter, per Mail und WhatsApp. Ein guter Tag ist der, an dem es tolle Kommentare regnet und der Herzchenzähler Rekorde bricht. Display-Leuchten bis zum Gute-Nacht-Kuss und noch vor dem ersten Weckerklingeln. Das Ladekabel wird zum Rettungsseil, das Funkloch zum Stimmungstief. Ganz normaler Alltag. Und wenn die Hochzeit eines nicht werden soll – dann alltäglich. Oder?

Die wichtigsten Menschen stehen auf der Gästeliste und sind bei den schönsten Momenten live dabei. Alle Zuschauer sitzen im Publikum, richten den Blick auf den Ort des Geschehens. Fiebern mit, blinzeln Tränen weg, halten Hände fest, spüren Herzen klopfen und wie Augenblicke zu Erinnerungen werden. Ohne Filter, ohne Hashtags. Sendepause für die Social Media Kanäle. Der Real-Live-Stream läuft direkt vor der eigenen Nase, mit Surround-Sound und in Full HD, in der guten alten unplugged Version. Kein Technik-Gadget kann das Erlebte so festhalten wie die Augen, der Kopf und das Herz.

Real-Live-Stream? Vor der eigenen Nase, mit Surround-Sound und in Full HD!

Für die Enkel, die vielleicht irgendwann fragen werden, für die Großmutter, die in keinen Zug mehr steigen mag, für die Wand im Wohnzimmer, für das Album, für die Ewigkeit: Wir wollen alles konservieren. Die Augen sehen nicht jedes Detail, das Herz und der Kopf vergessen. Wir möchten Erinnerungen zum Anfassen und immer wieder Anschauen. Wir bringen die Angst vor der Vergänglichkeit mit unzählbaren Bildern zum Verstummen und nehmen den wichtigsten Momenten ihren Zauber, weil wir nicht ganz da sind, sondern mit einem Auge auf dem Display, mit einem Finger auf dem Auslöser. Das Foto ist gespeichert, als Erinnerung mit fehlendem Gefühl. Die Braut sucht den Blick ihrer Trauzeugin, doch die verliert sich gerade in der Suche nach dem Hochzeits-Hashtag. Ein winziger Augenblick, in dem sich zwei Seelen hätten treffen können, verstreicht unbemerkt.

Die Sehnsucht nach Unvergänglichkeit haben viele Menschen zu ihrer Profession gemacht. Hochzeitsfotografen sind ganze Tage, ganze Wochenenden nur dafür da, Erlebtes festzuhalten und ins richtige Licht zu setzen. Sie wissen, wo ihr Platz ist und in welcher Sekunde sie auf den Auslöser drücken müssen. Sie wissen, wo sie Schleier zurechtrücken und Gäste einfangen müssen und wo es am besten ist, den Dingen ihren Lauf zu lassen. Sie geben alles dafür, dass Brautpaar und Gäste sich mit allen Sinnen der Gegenwart widmen können, ohne dass die rechte Hand in Richtung Smartphone zuckt.

Und die Großmutter, die zu Hause bleiben musste? Omi schlägt die Hände über dem Kopf zusammen vor Freude über das professionell erstellte Hochzeitsvideo zu diesem einen Lied, das die Stimmung des Tages so wunderbar widerspiegelt. Fast ist ihr so, als wäre sie dabei gewesen. Fünfzehn verwackelte Handy-Filmchen, in denen Wind und Hintergrundgeraschel den Ton angeben, können das nicht schaffen.

Digital Detox für Eure Hochzeit

Lasst Euch selbst und Eure Gäste jeden Wimpernschlag dieses Tages genießen und verordnet Eurer Hochzeit ein Digital-Detox-Programm. Von Anfang bis Ende oder nur während der Trauung – ganz wie Ihr mögt. Ob Ihr ein Schild malt, Eure Einladungen mit einem Zusatz verseht oder Eure Trauzeugen damit beauftragt, eine handyfreie Zone herzustellen: Eure Gäste werden diesen Wunsch respektieren. Sie sind schließlich nur Euretwegen da. Und werden Euch wahrscheinlich sogar dankbar sein für die überraschend entspannende Offline-Zeit.

Wenn Ihr Euch lustige Selfies von den Gästen wünscht, stellt eine Photobooth auf und lasst Snapchat mit selbstgebastelten Props alt aussehen. Wer unbedingt erreichbar sein muss, lässt das Handy auf Vibration gestellt in der Hosentasche. Und geht zum Telefonieren vor die Tür. Versteht sich von selbst.

Und jetzt: Alltag aus, Spot an für einen der schönsten Tage Eures Lebens, mit dem Live-Herzchenzähler unter dem Rippenbogen.

 

 

 

{Die Vorlagen für die „Unplugged Wedding“-Schildchen könnt Ihr Euch übrigens hier herunterladen.}

Foto: Nicole Zimmermann | Fräulein Klick

von

Astrid

Astrid Schwenecke liebt es zu schreiben, moderne Hochzeiten und die Cafés in Eimsbüttel. Als Bloggerin und freiberufliche Texterin ist sie immer auf der Suche nach individuellen Fest-Ideen, die sie auf Deinem Hochzeitsblog teilt.



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